Literatur – Theater – Musik

Veranstaltungen

Im Folgenden finden Sie die Veranstaltungen zum Thema "Literatur – Theater – Musik" für das aktuelle Semester.

  • Mütter & Töchter in der zeitgenössischen Literatur

    Aufgrund der hohen Nachfrage nochmal im Programm!
    Literatur & Kreatives Schreiben für Frauen

    Mütter & Töchter in der zeitgenössischen Literatur

    In diesem Seminar beschäftigen wir uns mit literarischen Darstellungen einer der prägendsten zwischenmenschlichen Beziehungen: der Verbindung zwischen Mutter und Tochter. Im Zentrum stehen zwei zeitgenössische Romane: Maman von Sylvie Schenk (2023) und Die Tochter von Kim Hye-Jin (2022).

    Während Schenk in Maman aus der Perspektive der Tochter erzählt und die Mutter als vielschichtige, zugleich ferne und vertraute Figur sichtbar werden lässt, gibt Hye-Jin in Die Tochter der Mutter eine ebenso eindringliche wie zurückgenommene Erzählerinnenstimme. So eröffnen sich zwei sehr verschiedene Blickrichtungen auf dieselbe Konstellation: einmal durch den suchenden, erinnernden Blick der Tochter, einmal durch das nach innen lauschende Sprechen der Mutter.

    Durch die parallele Lektüre der beiden Texte können wir im Seminar aufzeigen, wie eng Erzählhaltung, Perspektive und Erinnerungsarbeit miteinander verwoben sind. In kreativen Schreibübungen sind die Teilnehmerinnen eingeladen, ihre eigenen Erfahrungen und familiären Geschichten literarisch zu erkunden. Schreiben kann hier zu einem Werkzeug werden, um Erinnerungen zu ordnen, Beziehungsdynamiken zu verstehen und sich von belastenden Mustern zu befreien.

    Das Seminar richtet sich an alle Frauen*, die Freude am Lesen und Schreiben haben und das Spannungsfeld von Herkunft, Generationen und Selbstwerdung literarisch erkunden wollen. Gemeinsam wollen wir präzise lesen, diskutieren und eigene Texte entwickeln – im Dialog mit den Werken von Schenk und Hye-Jin sowie mit unseren eigenen Stimmen.

    Schreiberfahrungen sind nicht erforderlich. Für die Teilnahme am Seminar wird jedoch vorausgesetzt, dass beide Romane vollständig gelesen sind.
     

    Schenk, Sylvie: Maman. Carl Hanser Verlag, München 2023. 176 Seiten. ISBN 978-3-446-27623-9.
    Kim Hye-Jin: Die Tochter. Hanser Berlin, Berlin 2022. 176 Seiten. ISBN 978-3-446-27232-3.

    Begrenzte Teilnehmerinnenzahl: 16

    Dozierende Christina Rohwetter, M.A.
    Format Seminar
    Termine Fr. 14:00 – 17:00; 12.06.2026
    Sa. 10:00 – 16:00; 13.06.2026
    Ort Raum C001, Schloßwender Str. 5 [Gebäude 1208]
    Gebühr 42 €
  • Wie Goethe sich die dämonische Kraft der Liebe erklärte

    Wie Goethe sich die dämonische Kraft der Liebe erklärte

    Das Gewebe der Lebenserfahrung zu analysieren, ist der Urberuf der Dichter. Goethe versteht sich darauf wie wenige andere. Im „Werther“ zeigt er, dass unglückliche Liebe eine Krankheit zum Tode ist. In den „Wahlverwandtschaften“ vertieft er sich in das Rätsel der Anziehungskraft, welche die Geschlechter aufeinander ausüben. Goethe begreift die natürliche und die gesellschaftliche Welt als einen Stufenbau; auf jeder Stufe wiederholen sich Beziehungen und Konstellationen der vorangegangenen Stufen in „analoger“ Weise. So überträgt er, vor dem Hintergrund des zeitgenössischen naturwissenschaftlichen Wissens, das Modell der chemischen Bindungen, der „Wahlverwandtschaften“, auf die menschliche Lebenswelt. Bedeutende Arbeiten von W. Benjamin und W. Hankamer werden uns helfen, Goethes Einblicke in die abgründig-dunkle Seite der Natur des Menschen nachzuvollziehen.

    Dozierende Dr. Karl-Friedrich Kiesow
    Format Seminar
    Termine Mo. 16:15 – 17:45; 08.06., 15.06., 22.06., 29.06., 06.07., 13.07.2026
    Ort Raum C001, Schloßwender Str. 5 [Gebäude 1208]
    Gebühr 42 €
  • Narrative (Selbst-)Befreiung – Existentielle Not und Lebenskraft in Texten

    Narrative (Selbst-)Befreiung – Existentielle Not und Lebenskraft in Texten

    Widerstandsfähigkeiten und Haltungen, die in existentiellen Notsituationen –wie sie etwa Krieg, Krankheit, Armut, Gefangenschaft und Exil mit sich bringen – dabei helfen, nicht zu resignieren, sind seit jeher ein narrativer Gegenstand in einem doppelten Sinn. Zum einen treten sie häufig als Themen von Narrativen in Erscheinung, meist kollektiv tradierten und identitätsstiftenden und stereotypisierten Geschichten, die – wie z.B. das ,Vom Tellerwäscher zum Millionär‘-Narrativ – Entbehrungs- zu Erfolgserfahrungen werden lassen und allgemeine Tugenden wie Fleiß, Tapferkeit oder Ausdauer in den Mittelpunkt stellen. Zum anderen findet sich jene Widerständigkeit durch die Epochen hindurch in unzähligen Narrationen wieder, als in je eigener Weise erzählerisch aufbereitetes Motiv, das Eingekerkerte, Kranke, unter Terror aller Art leidende Menschen umfasst, die sich mit Hilfe u.a. von Imaginationen, Erinnerungen, dem Glauben an Gott oder eine Idee bewusst oder unbewusst der Verzweiflung entgegenstellen und sich so (zumindest vorübergehend) aus der Not befreien. Das Blockseminar will sich anhand einer exemplarischen Auswahl aus fiktionaler Literatur und Sachtexten beiden, häufig ineinander übergehenden Formen des Narrativen nähern und dabei nach den gestalterischen Mitteln fragen, mit denen Texte diese geistigen Selbstbefreiungen sowohl darstellen als auch bei den Lesenden hervorrufen können.

    Zum Einlesen empfohlen: Andrea Gerk, Lesen als Medizin (2015); Lesen und Genesen, Geschichten, die Mut machen, ausgewählt von Ursula Baumhauer (2021).

    Am Beginn des Semesters wird auf StudIP ein Reader bereitgestellt, den die Teilnehmenden ausdrucken oder für die digitale Lektüre herunterladen können. Teilnehmende, die Interesse haben, ein Referat zum Thema zu halten, können sich gern bei der Dozentin melden.

    Dozierende PD Dr. Marita Liebermann
    Format Blockseminar
    Termine Fr. 14:00 – 17:00; 10.07.2026
    Sa. 10:00 – 16:00; 11.07.2026
    Ort Raum C001, Schloßwender Str. 5 [Gebäude 1208]
    Gebühr 42 €
  • „Seh‘ ich wie eine Kranke aus?“ Krankheit und Gesundheit in der Musiktheaterliteratur

    „Seh‘ ich wie eine Kranke aus?“
    Krankheit und Gesundheit in der Musiktheaterliteratur

    Krankheiten auf der Opernbühne rühren die Zuschauer und Zuschauerinnen zu Tränen. Solche Krankheiten und womöglich deren Heilung in Musik zu fassen, war eines der großen Anliegen von Komponisten zu allen Zeiten. Wenn Mimì an Tuberkulose stirbt, wenn Lucia sich im Wahnsinn verliert oder Mörder wie Lady Macbeth und Herodes durch ihre Taten eine Persönlichkeitsspaltung erleiden, dann erfinden Puccini, Verdi und Richard Strauss einem Psychoanalytiker gleich Musiken, die Geheimnisse menschlicher Seele freilegen. Und gleichzeitig lenken die Komponisten den Blick auf jene offensichtlich oder vermeintlich Gesunden und deren Musik. Daraus folgt die Frage: Kann man Krankheit auf der Musikbühne HÖREN und wie klänge dann „gesund“? Sabine Sonntag wird im Sommersemester 2026 entsprechend dem Wissenschaftsjahr das Thema Krankheit und Gesundheit in der Musiktheaterliteratur behandeln. Eng an den Spielplan der Staatsoper Hannover angebunden wird der Fokus auf den Hauptfiguren in Korngolds Die tote Stadt und in Verdis Der Troubadour liegen. Umrahmt werden diese beiden Werke vom „Klassiker des Opernwahnsinns“ Lucia di Lammermoor und Richard Strauss‘ musikalisch-psychologischen Krankheitsbildern in Salome und Elektra.

    Dozierende Dr. Sabine Sonntag
    Format Vorlesung
    Termine Mo. 16:15 – 17:45; 04.05., 11.05., 18.05., 01.06., 08.06., 15.06., 22.06., 29.06.2026
    Ort Hörsaal Kesselhaus (A001), Schloßwender Str. 5 [Gebäude 1208]
    Gebühr 56 €
  • Schriftstellerärzte

    Schriftstellerärzte

    Erstaunlich viele Dichter waren ausgebildete Mediziner. So promovierte etwa Friedrich Schiller 1780 mit einer Arbeit Über den Zusammenhang der thierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen. Das sich in dieser medizinischen Dissertation abzeichnende anthropologische Interesse macht er dann auch literarisch fruchtbar – etwa in seiner Kriminalgeschichte Der Verbrecher aus verlorener Ehre (1786/1792).

    Georg Büchner wiederum, promoviert über das Nervensystem der Barbe, formt in seiner Lenz-Novelle (1839) das tragische Schicksal eines Dichterkollegen, nämlich dasjenige des an Schizophrenie erkrankten Stürmers und Drängers Jakob Michael Reinhold Lenz. Erzähltechnisch innovativ nimmt Büchners Novelle auch die Innensicht dieses gefährdeten Protagonisten ein.

    Überhaupt scheinen es psychiatrische Fragestellungen zu sein, die für Schriftstellerärzte besonders interessiert sind: Auch der ehemalige Pathologe Gottfried Benn sondiert in seinem Novellenzyklus Gehirne (1916) die inneren Abschweifungen, ja Wahnzustände seines fiktiven psychisch labilen Kollegen Rönne. Alfred Döblin hingegen nimmt sich in Die Ermordung der Butterblume (1913) einen aufbegehrenden einfachen Biedermann vor und zeichnet dessen langsame ‚Ver-rückung‘ mit erzählerischer Präzision nach.

    Schriftstellerärzte gibt es auch in der Gegenwartsliteratur: Melitta Breznik etwa, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, schickt in Das Umstellformat (2002) eine Erzählerin auf familiäre Spurensuche. Es geht um die während der Nazizeit in psychiatrischen Anstalten verschwundene Großmutter, deren Existenz auf gespenstische Weise aus dem Familiengedächtnis gelöscht wurde und die nun mit Verfahren der Dokumentarfiktion wieder sichtbar gemacht wird.

    Der Kurs erkundet in genauen Textdiskussionen ausgewählte Werke von Schriftstellerärzten. Gefragt wird dabei nicht nur nach dem besonderen Blick, den Mediziner:innen als Literat:innen auf den Menschen werfen, sondern auch nach den erzähltechnischen Verfahren, mit denen dies umgesetzt wird.

    Bitte bereiten Sie für die erste Sitzung Schillers Verbrecher aus verlorener Ehre vor.

    Folgende Ausgaben werden zugrunde gelegt:

    • Benn, Gottfried: Gehirne. Novellen. Textkritisch hg. v. Jürgen Fackert. Stuttgart 2004. ISBN: 978-3-15-009750-2 (antiquarisch z.B. über booklooker).
    • Benn, Gottfried: Gehirne. Rönne-Novellen. Lesung mit Rolf Becker. Berlin 2022. ISBN: 978-3-7424-2335-1
    • Breznik, Melitta: Das Umstellformat. Erzählung. München 2002. ISBN: 3-630-87128-3.
    • Büchner, Georg: Lenz. Hg. v. Ariane Martin. Stuttgart 2017. ISBN: 978-3-15-019176-7.
    • Döblin, Alfred: Die Ermordung der Butterblume und andere Erzählungen. Hg. v. Marcel Azte. München 2004. ISBN: 978-3-42-313199-5 (antiquarisch z.B. über booklooker).
    • Schiller, Friedrich: Der Verbrecher aus verlorener Ehre. Studienausgabe. Hg. v. Alexander Kosenina. Stuttgart 2014. ISBN: 978-3-15-019184-2.

    Teilnehmerinnen: max. 25

    Dozierende

    PD Dr. Tanja van Hoorn

    Format Seminar
    Termine

    Di 10:15-11:45 Uhr; 12.05., 19.05., 09.06, 16.06., 07.07., 14.07.2026

    Ort

    Raum 002 Schloßwender Str. 5 [1209]

    Gebühr 42 €